Rückblick auf die 53. Vertreterversammlung der GFS SCE
Am Montag, 15. Juni 2026, fand die 53. Vertreterversammlung der GFS-Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung SCE in der Gaststätte Frenkings Tenne in Ascheberg statt. Zahlreiche Vertreter und Landwirte nutzten die Gelegenheit für einen regen Informationsaustausch zu aktuellen Themen.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Horstmann begrüßte die Anwesenden und erläuterte den im Vergleich zu den Vorjahren späteren Termin der Vertreterversammlung. Die Fusion zur GFS SCE sowie die damit verbundenen organisatorischen und bilanziellen Arbeiten hatten den Zeitplan beeinflusst. Zudem lud er die Vertreter bereits zur nächsten Vertreterversammlung ein, die am 11. Mai 2027 stattfindet.
Geschäftsführerin Dr. Meike Friedrichs berichtete über die aktuelle Situation der Schweinehaltung und die Entwicklung der GFS.
Lagebericht der GFS SCE: Schweinehaltung bleibt vor großen Herausforderungen
Die Zahl der Zuchtsauen in Deutschland blieb zuletzt weitgehend stabil und liegt derzeit bei rund 1,42 Mio. Tieren. Gleichzeitig setzt sich der Strukturwandel in der Schweinehaltung fort: Die Zahl der Sauenhalter sank auf etwa 4.800 Betriebe. Viele Landwirte sehen sich weiterhin mit hohen Produktionskosten, Investitionen in tierwohlgerechte Haltungssysteme und gesetzlichen Umbaupflichten konfrontiert. Hinzu kommt eine nach wie vor fehlende Planungssicherheit für die Zukunft der Branche. In den Niederlanden liegt der Sauenbestand aktuell bei rund 630.000 Tieren. Auch dort ist ein kontinuierlicher Bestandsrückgang zu beobachten, der insbesondere auf staatliche Aufkauf- und Ausstiegsprogramme zurückzuführen ist.
Die wirtschaftliche Situation der Schweinehalter bleibt herausfordernd. Sowohl die Schweine- als auch die Ferkelpreise gaben ab Mitte 2025 deutlich nach und bewegten sich zeitweise auf einem Niveau, das zu den niedrigsten der vergangenen Jahre zählt. Aktuell liegt die VEZG-Ferkelnotierung bei 40 € je Ferkel, während der Mastschweinepreis 1,50 € je Kilogramm Schlachtgewicht beträgt.
Belastend wirken weiterhin die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in mehreren europäischen Regionen. Exportbeschränkungen und zeitweise geschlossene Drittlandsmärkte führen dazu, dass Schweinefleischmengen verstärkt innerhalb Europas vermarktet werden müssen. Gleichzeitig trifft ein steigendes Angebot auf eine verhaltene Nachfrage. Dies erhöht den Wettbewerbsdruck auf dem europäischen Binnenmarkt und wirkt sich negativ auf die Preisentwicklung aus.
Positiver Geschäftsverlauf bei der GFS
Die GFS konnte den Tubenabsatz im Jahr 2025 um 4,5 % steigern. Auch die Zahl der Serviceeinsätze nahm gegenüber dem Vorjahr um rund 4% zu. Gleichzeitig erhöhte sich die durchschnittliche Anzahl der gelieferten Spermatuben je Lieferung um knapp eine Tube. Das Wachstum ist maßgeblich auf die Fusion mit der niederländischen Genossenschaft Varkens KI Twenthe zurückzuführen. Ohne die zusätzlichen Mengen aus den Niederlanden hätte sich der Tubenabsatz auf dem Niveau des Vorjahres bewegt. Die Zahl der Scannerbesuche auf den Betrieben ist leicht rückläufig. Ursache hierfür sind einerseits Betriebsaufgaben, andererseits führen größere Betriebe Trächtigkeitsuntersuchungen zunehmend mit eigenen Mitarbeitern oder betreuenden Tierärzten durch.
Der aktuelle Eberbestand der GFS umfasst in Deutschland 316 Vorstufen- und 1.988 Endstufeneber. In den Niederlanden werden 451 Endstufeneber gehalten.
Ausbau der Aktivitäten in den Niederlanden
Ein besonderer Meilenstein war die zum 01. Januar 2025 rückwirkende Fusion der GFS eG mit der niederländischen Cooperatie Varkens KI Twenthe zu einer europäischen Genossenschaft, der GFS SCE. Die Besamungsstation in Fleringen wird künftig unter dem Namen Station Twenthe
geführt. Die Station verfügt über 210 Eberplätze und betreut rund 100 aktive Kunden. Die genetische Unabhängigkeit im niederländischen Markt bleibt erhalten. Sanne Oudhof leitet den niederländischen Geschäftsbereich. Mit der Fusion trat zudem Niek Lansink dem Vorstand der GFS SCE bei, um die Interessen der niederländischen Sauenhalter innerhalb der Genossenschaft zu vertreten.
Zum 1. Januar 2026 hat die GFS die Besamungsstation Landhorst von Preferent KI gekauft. Die Station wird künftig unter dem Namen Station Land van Cuijk
als PIC-Exklusivstall geführt und verfügt über mehr als 300 Eberplätze.
Wiederaufnahme der Spermaproduktion in Griesheim geplant
Die GFS befindet sich in den Planungen, die Spermaproduktion an der Station Griesheim wieder aufzunehmen. Möglich wurde dies durch umfangreiche Maßnahmen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest in der Region. Einen wichtigen Beitrag leisteten dazu die intensive Bejagung des Schwarzwildes und der Bau von Schutzzäunen zur Eingrenzung des Seuchengeschehens. Durch die konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen konnte die Seuchenlage stabilisiert und die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der Produktion geschaffen werden. Die Spermaproduktion erfolgt unter besonderen Auflagen. Dazu gehören regelmäßige ASP-Untersuchungen der Eber, amtstierärztliche Kontrollen mit klinischer Untersuchung vor der Samengewinnung sowie die Ausstellung amtlicher Bescheinigungen für Spermasendungen.
Im Rahmen der Vertreterversammlung informierte Dr. Jürgen Harlizius, Leiter der Stabsstelle Afrikanische Schweinepest beim MLV NRW, über die aktuelle ASP-Situation in NRW. Dabei gab er den Teilnehmern wertvolle Einblicke in die bisher ergriffenen Maßnahmen sowie die Herausforderungen bei der Eindämmung der Seuche.
Neustrukturierung des Verkaufsgebiets Lohfelden
Aufgrund deutlich gestiegener Logistikkosten wird das Verkaufsgebiet Lohfelden zum 1. Juli 2026 neu organisiert. Die Kundenbetreuung bleibt vor Ort mit den bekannten Kollegen Torsten Siebert und Sebastian Otto erhalten, die Bestellbearbeitung erfolgt aber künftig zentral über Ascheberg. Gleichzeitig werden Betriebe mit sehr kleinen Bestellmengen per Paket beliefert. Kunden behalten weiterhin Zugriff auf das gesamte Genetikprogramm der GFS. Auch Daueraufträge und Eberauswahl sowie die etablierten Liefertage im Kerngebiet bleiben bestehen.
Veranstaltungen und Ausblick
Die Agrarunternehmertage 2026 waren für die GFS erneut ein voller Erfolg. Besonders großes Interesse fanden die Spermabeurteilung mit dem eFlow-System sowie der Waschroboter.
Bereits jetzt richtet sich der Blick auf die EuroTier vom 10. bis 13. November 2026 in Hannover. Darüber hinaus werden im Januar 2027 wieder die beliebten Vortragstagungen in Ascheberg, Stadtlohn und online angeboten.
Als Exklusivpartner unterstützt die GFS die Veranstaltung BIG Challenge
. Mitarbeitende der GFS und der GFS-Top-Animal-Service GmbH gehen dort für den guten Zweck sportlich an den Start und sammeln Spenden für die Krebsforschung.
Geschäftsjahr 2025
Gregor Wenning stellte die wirtschaftliche Entwicklung der Genossenschaft vor. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die GFS einen Umsatz von 25,2 Mio. Euro. Das Jahresergebnis fiel mit -148T € negativ aus. Wesentliche Gründe hierfür sind die Fusion und die damit einhergehenden Veränderungen in den Niederlanden. Die Verantwortlichen bewerten sowohl die Fusion mit Varkens KI Twenthe als auch die Erweiterung der Aktivitäten in den Niederlanden trotzdem als wichtige Schritte zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Risikostreuung innerhalb der Genossenschaft.
Entwicklung der GFS Top-Animal-Service GmbH
Für die GFS Top-Animal-Service GmbH berichtete Lukas Portmann über die Entwicklung des Umsatzes, der im Jahr 2025 auf dem Niveau des Vorjahres lag. Rund die Hälfte des Umsatzes wurde mit Produkten für die Schweinehaltung erzielt. Im vergangenen Jahr wurde außerdem eine Neuauflage des Produktkatalogs veröffentlicht, das Produktsortiment durch attraktive Aktionsangebote begleitet und der Ausbau der digitalen Services erweitert. Kunden profitieren künftig unter anderem von automatischen Wartungserinnerungen für PigletSnoozer-Geräte und einer direkten Terminvereinbarung mit dem Servicetechniker. Ein digitaler Hygiene-Check kann die Biosicherheit im Betrieb bewerten und Landwirte profitieren von der Nutzung von Explosionszeichnungen im Webshop, die das Auffinden passender Ersatzteile erleichtern. Außerdem besteht für Kunden nun die Möglichkeit, Overalls individuell besticken zu lassen. Darüber hinaus gibt es eine Anbindung an den Granit-Partnershop, in dem ein weiteres Sortiment von mehr als 14 Millionen Artikeln zur Verfügung steht.
Wahlen zum Aufsichtsrat

v.l.: Dr. Meike Friedrichs, Norbert Klapp, Dr. Thorsten Klauke, Johannes Wildenhues und Jürgen Horstmann. Es fehlt: Frank Hilgenkamp.
Nach dem Bericht des Aufsichtsrats und der Vorstellung des Prüfungsberichts wurden Geschäftsführung, Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig entlastet. Die turnusmäßigen Wahlen ergaben folgende Ergebnisse:
Johannes Wildenhues, Frank Hilgenkamp, Norbert Klapp und Dr. Thorsten Klauke scheiden aus dem Aufsichtsrat aus. Die Anwesenden bedanken sich für die langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit und das ehrenamtliche Engagement!
Wiedergewählt in den Aufsichtsrat wurden:
1. Julius Aundrup
2. Ludger Großekathöfer
3. Marco Hepp
4. Thomas Verhaag
Als neue Mitglieder wurden folgende Personen in den Aufsichtsrat gewählt:
1. Alexander Heßling
2. Nils Hilgenkamp
3. Dr. Astrid van Asten
4. Axel Wiederhold
Dank für 36 Jahre Engagement in der Nachkommenprüfung
Ein besonderer Moment der Vertreterversammlung war die Verabschiedung von Prof. Dr. Horst Brandt. Über 36 Jahre hinweg prägte er maßgeblich die Nachkommenprüfung der GFS und leistete einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung in der Schweinezucht und Besamungseberselektion. Mit seiner fachlichen Expertise in den Bereichen Genetik und Statistik unterstützte er die GFS über Jahrzehnte als unabhängiger, objektiver und neutraler Berater. Seine Arbeit reichte von der Identifizierung und Ausmerzung von Negativvererbern bis hin zur Einstufung der Tiere in die GFS-Leistungsklassen mit hoher Zuchtwertsicherheit. Damit trug er wesentlich zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Selektionsarbeit und zur hohen genetischen Qualität innerhalb der GFS-Eber bei. Geschäftsführung, Vorstand, Aufsichtsrat, Mitarbeiter und die angeschlossenen Sauenhalter dankten Prof. Dr. Horst Brandt herzlich für sein langjähriges Engagement, seine Verlässlichkeit und seine fachliche Kompetenz.
Die Aufgaben in der Nachkommenprüfung werden künftig von Prof. Dr. Christine Große-Brinkhaus weitergeführt.






