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04.07.2011rss_feed

Jungsauen richtig eingliedern

Gerd Vahrenhorst während des Praktikermeetings auf dem Betrieb Rips

Gerd Vahrenhorst während des Praktikermeetings auf dem Betrieb Rips

Damit Jungsauen auf ihrem neuen Betrieb gleich richtig in Tritt kommen, müssen sie gut eingegliedert werden. Welche Voraussetzungen nötig sind und was der aufnehmende Betrieb tun sollte, erfuhren zehn Frauen der Intensivgruppe Sauenhaltung Mitte Juni auf dem Betrieb von Johannes und Christa Rips im niederrheinischen Kerken. Organisiert hatte dieses Praktikermeeting Heinz-Willi Boekels von der Landwirtschaftskammer in Kleve und zugleich Leiter der Arbeitsgruppe. Er hatte GFS-Spezialist Gerd Vahrenhorst eingeladen.

Vahrenhorst geht bei solchen Praktikermeetings mit den Teilnehmern immer auch durch die Ställe. Im Betrieb Rips wurden dabei bereits wesentliche Kriterien für eine optimale Versorgung der Jungsauen deutlich:

■ Vor einer Woche wurden zehn Jungsauen geliefert. Sie verbringen jetzt die Quarantänezeit von sechs Wochen in einer Außenhütte mit Auslauf. Nach den ersten Rangeleien haben sie sich gut gewöhnt. Wichtig ist der regelmäßige Kontakt zu den Menschen. Wer zusätzlich mit Apfelsaft oder Zuckerwasser einmal am Tag drencht, erleichtert die Eingewöhnung und eine spätere Regumate-Gabe.

■ Eine Transportrausche sollte dokumentiert werden.

■ Direkt nach der Anlieferung der Jungsauen sollten sie begutachtet werden, Mängel sind (für eine etwaige Reklamation) schriftlich festzuhalten. Vor allem sind Klauen, Fundament und Gesäuge zu prüfen und am besten fotografisch zu dokumentieren.

■ Bei einer Außenhaltung ist auf ausreichenden Sonnenschutz zu achten. Windnetze reichen nicht aus.

■ Laufen die Tiere auf Stroh, muss auf beste Qualität geachtet werden.

■ Die Fütterung muss auf optimale Kondition ausgerichtet werden: Jungsauen sollten beim Belegen ein Gewicht von mindestens 130 Kilogramm haben. Das ideale Jungsauenfutter enthält durchschnittlich mindestens 13,0 MJ ME / kg Futter, 13,5% Rohprotein, 0,7% Lysin, 0,7% Ca, 0,5% P sowie ausreichend Vitamine und Spurenelemente. Ca. 3 kg Futter pro Sau und Tag sind zu veranschlagen.

■Zum Zeitpunkt des Belegens sollten die Jungsauen 240 bis 250 Tage alt sein, jüngere Sauen packen die Belastung auf Dauer nicht und haben erfahrungsgemäß ein bis zwei Würfe weniger. Allerdings ist der Einfluss der Genetik zu berücksichtigen.

■ Die Kondition lässt sich durch die subjektive Beurteilung (Noten 1 bis 5 nach Body Condition Score) und durchs Scannen ermitteln: Auf Höhe der letzten Rippe werden Speckschicht und Bindegewebe etwa 5 bis 6 cm neben der Wirbelsäule gemessen. Die Rückenspeckdicke liegt optimalerweise bei 16 bis 20 mm.
Zu schmale Sauen, die in der Säugephase stark beansprucht und über einen längeren Zeitraum unterversorgt sind, weisen dann Liegeschäden an der Schulter auf. Zu fleischreiche Sauen haben in der Säugephase ein ‚Riesenproblem’, weil sie nicht genug Nährstoffe mobilisieren können.
Jungsauen sollen, weil sie ja selbst noch wachsen, jede Woche etwa 1 mm Rückenspeckdicke zulegen.

Die Konditionsmessung bietet Sicherheit bei der Jungsaueneingliederung und schult zugleich das eigene Auge. Sie gibt wertvolle Anhaltspunkte für die richtige Fütterungsstrategie und weist auf Probleme hin (Umrauscher, zu wenig Lebendgewicht der Ferkel). Sie lässt sich auch später parallel zur Trächtigkeits- und Umrauschkontrolle routinemäßig und schnell durchführen.


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