Die GFS selektiert Endstufeneber auf Wurfqualität

Fachartikel aus der GFS aktuell vom November 2012

Prof. Dr. Horst Brandt, Universität Gießen


Prof. Dr. Horst Brandt

Prof. Dr. Horst Brandt

Durch den Zuchtfortschritt ist in den letzten Jahren die Zahl der geborenen Ferkel pro Wurf stark gestiegen und Durchschnittswerte von 14 Ferkeln pro Wurf und mehr sind keine Seltenheit. Mit zunehmenden Wurfgrößen sinkt aber das Wurfgewicht. Sinkende individuelle Geburtsgewichte bedeuten gleichzeitig auch sinkende Ferkelvitalität. Auswertungen von individuell erfassten Geburtsgewichten haben gezeigt, dass mit sinkendem Geburtsgewicht die Verlustraten überproportional ansteigen. Nach niederländischen Beobachtungen sterben 60 Prozent der Ferkel mit Geburtsgewichten unter 800 Gramm.

Neben dem individuellen Geburtsgewicht hat auch die Ausgeglichenheit im Wurf einen Einfluss auf die Überlebensfähigkeit der Ferkel. Die gesteigerte Wurfgröße hat auch dazu geführt, dass die Nutzungsdauer der Sauen deutlich gesunken ist und Remontierungsquoten von bis zu 60 % zu beobachten sind.

Zukünftig müssen züchterisch die Vitalität der Ferkel über eine bessere Wurfqualität und die Nutzungsdauer der Sauen bearbeitet werden, um der genannten Problematik zu begegnen. 



Wurfbonitierung mit dem Psion

Eberselektion auf Wurfqualität umgesetzt

Im Rahmen der Dissertation von Frau Mariya Yaroshko wurden in vier Feldprüfbetrieben der GFS alle Tierverluste in Aufzucht und Mast mit dem Abgangsgrund dokumentiert und ausgewertet. Hier zeigt sich, dass der Endprodukteber neben der Sau auch einen Einfluss auf die Wurfqualität hat. Da

eine direkte individuelle Erfassung der Geburtsgewichte aufgrund des hohen Aufwandes in der Ferkelerzeugung nicht durchführbar ist, werden seit Dezember 2011 in allen Ferkelerzeugerbetrieben des GFS-Nachkommenprüfprogramms Wurfbonitierungen der Nachkommen aller Endstufeneber direkt nach der Geburt (bis max. 3 Tage) vorgenommen. Hierzu benoten die Betriebe

  • die Ausgeglichenheit des Wurfes
  • die Geburtsgewichte und die
  • Vitalität der Ferkel

auf einer Skala von 1-4. Wobei die 1 jeweils die schlechteste und die 4 die beste Note ist.

 


Homogene Würfe mit gutem Geburtsgewicht=Vitale Ferkel

Aus Übersicht 1 (Verteilung der Noten auf Verbleib der Ferkel) ist deutlich der Zusammenhang zwischen der Wurfbonitierung für das Wurfgewicht und der Vitalität der Ferkel zu sehen. Sowohl die tot geborenen als auch die Ferkel, die in der Säugezeit verenden, stammen zu einem höheren Anteil aus Würfen mit schlechten Noten für das Geburtsgewicht. Weitere genetische Analysen zeigen, dass für die Merkmale der Wurfqualität Erblichkeiten vorhanden sind und alle Merkmale negativ mit der Zahl der Ferkel pro Wurf korreliert sind (siehe Übersicht 2).


Verteilung der Noten für Geburtsgewichte nach Verbleib der Ferkel (Übers. 1)

Verteilung der Noten für Geburtsgewichte nach Verbleib der Ferkel (Übers. 1)

Erblichkeit (h²) und Genetische Korrelation (r) zu gesamt geborenen Ferkeln (Übers. 2)

Erblichkeit (h²) und Genetische Korrelation (r) zu gesamt geborenen Ferkeln (Übers. 2)


6 - 10 % der Varianz eberbedingt

Es liegen bisher für 2954 Würfe Bonitierungsergebnisse vor. Die ersten Auswertungen dieser Daten zeigen, dass ca. 25 – 30 % der Varianz in den Merkmalen auf Sauenunterschiede und 6 bis 10 % auf Eberunterschiede (Vater des Wurfes) zurückzuführen sind. Die bisher ausgewerteten Würfe stammen von mehr als 400 Ebern ab, so dass pro Eber im Mittel bisher ca. 7 Würfe  bonitiert wurden. Dies soll zukünftig auf 10-15 Würfe je Eber gesteigert werden, um für die Merkmale noch höhere Sicherheiten zu erreichen. So können ab sofort alle GFS-Eber, deren Nachkommen bonitiert wurden im Hinblick auf ihre Wurfqualität rangiert werden. Eber mit besonders schlechten Wurfqualitäten werden gemerzt.

Neben dieser Maßnahme zur Verbesserung der Wurfqualität sollten bei den Zuchtunternehmen auch in den Mutterlinien die Wurfqualität im Zuchtziel berücksichtigt werden, um langfristig eine optimale Wurfgröße mit maximaler Vitalität der Ferkel zu gewährleisten. Eine züchterische Verbesserung der Ferkelvitalität ist nachhaltig und muss nicht mit einem zusätzlichen Managementaufwand erkauft werden.